Das Reha-Wissenschaftliche Kolloquium hat sich als bedeutendster Reha-Kongress im deutschsprachigen Raum etabliert. In diesem Jahr versammelten sich vom 18. - 20. März in Nürnberg über 1.500 Teilnehmende aus Forschung, Praxis und Gesundheitspolitik, um aktuelle Entwicklungen in der Rehabilitation zu diskutieren. Gastgeber des diesjährigen bereits 34. Kolloquiums waren die Deutsche Rentenversicherung Bund & Deutsche Rentenversicherung Nordbayern, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e.V. (DGRW).
Das Team des REHAPORTALS war mit einem Ausstellungsstand vor Ort und konnte zahlreiche Gespräche mit interessierten Kliniken, langjährigen Mitgliedern und geschätzten Kooperationspartnern führen.
Das Programm umfasste über 300 wissenschaftliche Vorträge und Poster zu aktuellen Themen aus der Reha- und Versorgungsforschung, verschiedenen Diskussionsformaten, Workshops sowie Keynotes und Plenarvorträgen von renommierten Expert:innen. An allen teilzunehmen ist ein Ding der Unmöglichkeit, daher folgt hier ein Rückblick auf die für uns relevanten Themen:
In der Keynote „Treffen sich ein Mensch und ein Chatbot. Wie Menschen und kluge Maschinen zusammenarbeiten können“ betonte Dr. Manuela Lenzen die Notwendigkeit kritischer Reflexion beim Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) und verwies auf deren gegenwärtige Grenzen sowie die langfristige Bedeutung menschlicher Expertise. Sie hob hervor, dass KI-Modelle trotz beeindruckender Fortschritte weiterhin auf menschliche Expertise angewiesen bleiben und mit einem gewissen Bias behaftet sind.
In Ihrem Fazit fasste sie zentrale Empfehlungen zusammen:
Interessant war auch ihre Einschätzung, dass die Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz an natürliche Grenzen stoßen könnte – insbesondere aufgrund begrenzter Serverkapazitäten und steigender Energiekosten. Während Sprachmodelle bereits hochentwickelt seien, gebe es im Bereich Bild- und Videoverarbeitung noch Raum für Verbesserungen. Allerdings könnten wirtschaftliche und ökologische Faktoren das Tempo zukünftiger Fortschritte bremsen.
Dennoch lässt sich argumentieren, dass KI-Entwicklung nicht auf einem Plateau steht, sondern sich eher in eine Phase der Optimierung und Spezialisierung bewegt. Technologische Innovationen wie spezialisierte Chips oder Quantencomputing könnten neue Möglichkeiten eröffnen. Wie lange dies jedoch dauere und mit welchen Kosten dies verbunden sei, bleibt offen.
Einen warnenden Hinweis gab es auch in Bezug auf den aktuell in den Daten befindlichen Bias. Menschliche Absicherung der Informationen bleibe essenziell, denn, wie Dr. Lenzen es ausdrückte, „KI ist ein alter weißer Mann“, und bestehende Datenverzerrungen werden uns noch lange begleiten. Fortschritte sind aber auch hier zu erwarten: Durch neue Trainingsansätze und eine bessere Gewichtung aktueller Informationen ließen sich Verzerrungen in der Zukunft gezielt reduzieren.
Ein Thema, das zunehmend an Sichtbarkeit gewinnt, ist der Einsatz von Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) zur Verbesserung der Qualitätssicherung und Transparenz in der Reha. Bei unserem Diskussionsforum „PROMs-basiertes Benchmarking in der medizinischen Reha: Wie gelingt der Qualitätsvergleich“ im Rahmen des Reha-Kolloquiums beleuchteten Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis, wie PROMs in Benchmarking-Systeme integriert werden können:
Die Moderation übernahmen Dr. Ralf Bürgy (MEDICLIN AG) und Prof. Dr. Matthias Köhler (VAMED Gesundheit Deutschland). Im REHAPORTAL werden PROMs auch künftig eine Schlüsselrolle spielen – für mehr Transparenz, bessere Entscheidungen und eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung.
Auch in anderen Programmteilen war sichtbar, dass die Perspektive von Patient:innen stärker in den Mittelpunkt rückt. Auch in den folgenden Sessions spielte der Einsatz von PROMs eine entscheidende Rolle:
In der Vortragssession „Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement“ wurden zwei spannende Studien vorgestellt:
Ein Beitrag in der Innovationswerkstatt widmete sich einem KI-gestützten Assistenzsystem, das Patient:innen bei der PROMs-Erhebung unterstützt. Ziel ist es, Barrieren abzubauen und die Datenqualität weiter zu verbessern.
Das Begleitprogramm des Kolloquiums bot zahlreiche Gelegenheiten zum fachlichen und persönlichen Austausch.
Das Reha-Kolloquium 2025 hat erneut eindrucksvoll gezeigt, dass die Rehabilitation in Deutschland kontinuierlich neue Wege geht – mit wissenschaftlicher Exzellenz, patientenzentrierten Konzepten und einer starken Vision für die Zukunft.